Wenn Frauen Frauen feiern. Und warum das leider so selten ist

Es gibt diese seltenen Momente im Leben, in denen man einem Menschen begegnet und sofort spürt, dass eine ganz besondere Energie im Raum liegt. Keine vorsichtige Distanz, kein stilles Vergleichen, kein unsichtbares Kräftemessen. Stattdessen entsteht eine ruhige, warme Selbstverständlichkeit, als würden sich zwei Menschen begegnen, die einander nicht einordnen müssen, sondern sich einfach erkennen.

So ein Moment war es auch letzte Woche wieder, als eine Freundin bei mir im Laden war, die in der Öffentlichkeit steht, Verantwortung trägt und in der Politik längst eine feste Größe ist. Eine erfolgreiche Politikerin, eine Frau mit Haltung, eine Frau, die Entscheidungen trifft und sich nicht versteckt.

Und für mich ist sie noch etwas anderes. Sie ist meine Schwester im Geist. Wenn wir uns sehen, entsteht immer sofort dieses Gefühl von Verbundenheit, das man nicht erklären kann und auch nicht erklären muss. Wir reden, wir lachen, wir tauschen Gedanken aus, wir planen unser nächste Date und Wiedersehen und währenddessen denke ich jedes Mal dasselbe: Wie wohltuend es ist, einer Frau zu begegnen, die nicht in Konkurrenz denkt.

Die nicht prüft, nicht bewertet, nicht misst. Die einfach da ist.

Es klingt fast banal, aber tatsächlich ist genau das eine der seltensten Erfahrungen zwischen Frauen. Ehrliche Freude füreinander.

Nicht diese höfliche Version von Freude, die mit einem vorsichtigen Lächeln beginnt und mit einem kleinen Giftstachel endet. Nicht diese Art von Kompliment, das im nächsten Satz relativiert wird. Sondern echte Anerkennung. Denn wer sich ein bisschen im Leben umschaut, erkennt ein Muster, das erstaunlich konsequent existiert.

Während Männer seit Generationen Netzwerke bauen, sich gegenseitig empfehlen, Türen öffnen, Kontakte teilen und ganz selbstverständlich verstehen, dass gemeinsamer Erfolg auch den eigenen Erfolg stärkt, haben Frauen leider oft ein anderes System entwickelt. Ein System aus Vergleichen. Aus leisen Ranglisten. Aus unsichtbaren Wettbewerben, die nie offen ausgesprochen werden, aber überall spürbar sind.

Man erkennt sie sofort. An Blicken. An kleinen Kommentaren. An diesem einen Satz, der erstaunlich häufig fällt und fast immer gleich klingt. „Ich freue mich ja für sie, aber …“ Dieses kleine „aber“ ist der Moment, in dem Unterstützung kippt.

Es ist der Punkt, an dem ein Kompliment plötzlich eine Klinge bekommt. Und es ist faszinierend, dass dieses „aber“ fast nie von Frauen kommt, die selbst stark im Leben stehen.

Es kommt von denen, die ihre Energie lieber in Beobachtung investieren als in Entwicklung. Von Frauen, die alles analysieren, alles kommentieren, alles beurteilen, aber selbst erstaunlich selten etwas wagen. Man könnte sie die Kommentatorinnen des Lebens nennen. Sie stehen am Rand und kommentieren das Spiel. Sie wissen genau, wer zu laut ist, wer sich zu sehr zeigt, wer angeblich zu viel Aufmerksamkeit bekommt und wer sich ihrer Meinung nach für etwas Besseres hält.

Interessanterweise hört man diesen Vorwurf fast ausschließlich von Menschen, die selbst keine Bühne betreten. Denn wer selbst etwas aufbaut, wer Risiken eingeht, wer Verantwortung trägt, wer Entscheidungen trifft und sichtbar wird, der weiß sehr genau, wie viel Mut das alles kostet.

Diese Menschen haben keinen Bedarf, andere kleinzureden. Sie erkennen etwas anderes. Respekt. Und genau deshalb sind Begegnungen mit starken Frauen so besonders.

Weil sie sofort anders sind.

Es gibt Frauen, die betreten einen Raum und beginnen sofort zu scannen. Wer ist hier? Wer hat welchen Status? Wer steht wo? Und es gibt Frauen, die betreten einen Raum und denken einfach nur: Schön, dich zu sehen.

Diese zweite Kategorie erkennt man sofort. Sie strahlt eine Gelassenheit aus, die nicht gespielt ist. Eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit anderen Frauen. Eine innere Ruhe, die zeigt, dass diese Person keine Konkurrenz braucht, um sich selbst zu definieren.

Leider ist diese Haltung selten. Denn parallel zu diesen Frauen existiert eine andere Realität. Eine Realität, in der Frauen andere Frauen beobachten, analysieren und einordnen, statt sie zu unterstützen. Eine Realität, in der Erfolg schnell zum Problem wird. Wenn eine Frau sichtbar ist, wird sie schnell zu laut. Wenn eine Frau erfolgreich ist, wird sie schnell zu ehrgeizig. Wenn eine Frau mutig ist, wird sie schnell zu arrogant.

Und plötzlich entsteht eine Dynamik, die nichts mit Kritik zu tun hat, sondern mit etwas ganz anderem.

Missgunst.

Ein leises, zähes Gefühl, das erstaunlich viel Energie verbraucht. Denn wer ständig damit beschäftigt ist, andere zu bewerten, hat erstaunlich wenig Zeit, selbst etwas zu erschaffen.

Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen starken Frauen und verbitterten Frauen. Verbitterte Frauen beobachten andere Frauen. Starke Frauen begegnen ihnen. Sie reden miteinander. Sie hören zu. Sie erkennen sich.

Wenn zwei solche Frauen sich treffen, entsteht etwas sehr Schönes. Keine Rangliste. Keine Konkurrenz. Keine versteckten Stiche. Sondern eine Begegnung auf Augenhöhe. Ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die verstanden haben, dass Größe nichts mit Lautstärke zu tun hat. Sondern mit Haltung. Und Haltung zeigt sich nicht in großen Worten.

Sondern in einem einfachen Satz, der ehrlich gemeint ist. Gut, dass es dich gibt. Vielleicht ist genau das der Kern von echter weiblicher Stärke.

Nicht der Wettbewerb. Sondern die Verbindung.

Nicht das Vergleichen. Sondern das Anerkennen.

Und wenn Frauen anfangen, sich gegenseitig wirklich zu feiern, statt sich heimlich zu bekämpfen, dann entsteht etwas, das stärker ist als jede Konkurrenz.

Eine Gemeinschaft. Eine Schwesterlichkeit. Eine echte Sisterhood.

Eine stille, kraftvolle Allianz von Frauen, die verstanden haben, dass sie gemeinsam viel weiter kommen als allein.

Und ehrlich gesagt kann diese Welt davon gar nicht genug haben.

In Liebe für alle meine Schwestern da draußen, Eure Marlis 


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