Warum sie uns feiern – und andere uns zerreden

Es ist ein seltsames Phänomen, das mich als Marlis lange irritiert hat und das ich mittlerweile fast nüchtern betrachte, weil es so vorhersehbar geworden ist wie der Wetterbericht in meinem Geburtsmonat April: Während Frauen aus ganz Deutschland uns schreiben, bestellen, feiern, unterstützen, weiterempfehlen und Teil dieser wachsenden Schwesternschaft werden, stehen lokal Menschen vor verschlossenen Türen, ziehen die Augenbrauen hoch und machen genau das, was man immer macht, wenn man etwas nicht einordnen kann und einfach nicht versteht: man redet es klein und man redet es schlecht.

Und irgendwann sitzt man dazwischen und stellt sich eine Frage, die auf den ersten Blick logisch klingt und auf den zweiten völlig falsch ist: Wie kann das sein?

Die Antwort ist so simpel, dass sie fast unangenehm ist. Denn: Es sind nicht die gleichen Systeme.

Online ist ein Ort der Entscheidung. Niemand wird gezwungen, uns zu folgen, niemand wird gezwungen, uns zuzuhören, niemand wird gezwungen, bei uns zu kaufen. Menschen kommen, weil sie wollen. Weil sie sich wiederfinden. Weil sie etwas sehen, das sie anspricht, das sie inspiriert, das sie vielleicht sogar ein kleines Stück näher an die Version ihrer selbst bringt, die sie eigentlich gerne wären. Das ist kein Zufall, das ist wunderbare Psychologie. Menschen suchen sich Räume, in denen sie wachsen dürfen. Und wenn sie diesen Raum finden, dann bleiben sie.

Offline ist kein Raum der Entscheidung. Offline ist ein Raum der Koexistenz. Man lebt nebeneinander, nicht miteinander. Man sieht sich, ob man will oder nicht. Man wird Teil eines Systems, das längst existiert hat, bevor man hier selbst überhaupt auftaucht. Und dieses System hat Regeln. Unsichtbare Regeln, aber sehr wirksame. Oh jaaaa, sehr wirksame…

Eine davon ist: Sei nicht zu anders.

Eine andere: Sei nicht zu laut.

Und die wichtigste Regel: Sei nicht erfolgreicher als die, die schon immer da waren, ohne dass sie verstehen warum.

Denn genau an diesem Punkt kippt etwas. Nicht, weil Erfolg an sich abgelehnt wird. Sondern weil er etwas sichtbar macht, das viele Menschen lieber nicht sehen möchten. Nämlich die eigene Entscheidung, Dinge nicht zu tun, Chancen nicht zu nutzen, Ideen nicht umzusetzen. Erfolg ist unbequem für alle, die stehen geblieben sind. Und das ist kein Vorwurf, sondern eine harte und sehr klare Realität.

Also passiert das, was immer passiert, wenn Realität unangenehm wird. Man verändert nicht sich selbst. Man verändert die Geschichte.

Plötzlich ist es „übertrieben“.
Plötzlich ist es „komisch“.
Plötzlich ist es „braucht doch kein Mensch“.

Und wenn das nicht reicht, wird es lächerlich gemacht. Worte werden nachgeahmt, Begriffe überzogen ausgesprochen, Konzepte ins Absurde gezogen. Nicht, weil sie wirklich absurd sind. Sondern weil es einfacher ist, etwas zu belächeln, als sich einzugestehen, dass man es nicht versteht.

Das hat nichts mit Bosheit im klassischen Sinne zu tun. Es ist ein Schutzmechanismus. Ein ziemlich primitiver, aber ein effektiver Schutzmechanismus. Wer etwas abwertet, muss sich nicht damit auseinandersetzen. Wer lacht, muss nicht reflektieren. Wer redet, muss nichts verändern.

Und genau deshalb ist die Reaktion lokal oft so viel härter als online. Weil Nähe Emotionalität erzeugt. Weil Sichtbarkeit Reibung erzeugt. Weil Anderssein nicht nur wahrgenommen wird, sondern bewertet.

Online bist du Inspiration.
Offline bist du Irritation.

Und beides gleichzeitig zu sein, ist kein Widerspruch. Es ist der Normalzustand, wenn man etwas anders macht.

Natürlich spielt auch die eigene Haltung eine Rolle. Zum Beispiel ich. Die Marlis. Wer klar spricht, wird klar gehört. Wer Grenzen setzt, wird als distanziert wahrgenommen. Wer nicht jedem gefallen will, gefällt automatisch einigen überhaupt nicht. Das ist kein Fehler im System, sondern DAS ist das System.

Und ja, Exklusivität triggert. Auswahl triggert. Ein Konzept, das nicht für jeden gedacht ist, triggert immer diejenigen am meisten, die gerne dazugehören würden, aber spüren, dass sie es nicht automatisch tun. Auch das ist menschlich. Nur wird es selten so benannt.

Stattdessen entsteht dieses leise, permanente Hintergrundrauschen aus Kommentaren, Blicken, Halbsätzen, die nie ganz ausgesprochen werden, aber immer mitschwingen. Und wenn man das nicht einordnen kann, zieht es Energie. Viel Energie.

Bis man versteht, was hier eigentlich passiert.

Es geht nicht um uns.
Es geht um das, was wir auslösen.

Die Frauen, die uns feiern, sehen Möglichkeiten.
Die Menschen, die uns zerreden, sehen eine Verschiebung.

Und Verschiebung macht Angst. Immer.

Weil sie bedeutet, dass Dinge nicht so bleiben, wie sie sind. Dass man sich vielleicht selbst bewegen müsste. Dass Stillstand keine neutrale Option mehr ist, sondern eine bewusste Entscheidung.

Und genau da trennen sich die Wege. Unsere Wege.

Die einen gehen mit.

Die anderen bleiben stehen und kommentieren.

Beides ist erlaubt. Aber nur ein Weg führt irgendwohin.

Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Antwort auf eine Frage, die so oft gestellt wird und doch so selten wirklich verstanden wird: Warum feiern uns so viele – und warum reden andere so schlecht über uns.

Weil wir für die einen ein Versprechen sind.

Und für die anderen eine Erinnerung daran, was sie selbst nie eingelöst haben.

Und das ist kein Problem, das man lösen muss. Und ich will dieses Problem gar nicht lösen. Das ist einfach ein Zustand, den man aushalten muss, wenn man wächst. Denn meinen Weg sehe ich klar vor mir, denn meine Ziele im Leben sind klar definiert.

Jetzt wachsen wir weiter. Seit sechs Jahren. Durch all dieses Zerreden, lästern, flüstern, Kopf schütteln. Wir wachsen und wachsen und werden immer mehr gesehen. Die Welt ist größer wie man sich hier vorstellen kann. Und unser Wachstum war noch nie leise.

Schau mal wie ich winke, ich muss dann mal  weiter. Viele Projekte warten auf mich, die ich jetzt leider nicht alle erklären kann ¯\_(ツ)_/¯

Tschüss, Deine Marlis für Karins Schwester 


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