Noch nie war es so einfach, erfolgreich zu sein
Ich sage es ganz offen: Noch nie war es so einfach, erfolgreich zu werden – wenn man bereit ist, wirklich zu arbeiten. Nicht dieses pseudo-produktive Laptop-im-Bett-Arbeiten, bei dem man zwischendurch drei Avocado-Toasts, Matcha-Latte und eine Sinnkrise konsumiert. Ich meine echte, ehrliche, harte Arbeit. Disziplin. Konsequenz. Sieben Tage die Woche. Verantwortung übernehmen, statt ständig nach ihr zu fragen. Das, was früher normal war und heute schon als „Workaholism“ gilt.
Ich sehe mich in einer Generation, die gelernt hat, dass Erfolg kein Zufall ist. Dass man nicht darauf wartet, bis jemand einen „fördert“, sondern sich selbst fördert. Ich sehe, wie heute Menschen auf Gleichstellung pochen, aber nicht auf Gleichleistung. Wie viele lieber über Fairness reden, statt über Fleiß. Und das ist unsere Chance. Denn wenn eine Gesellschaft kollektiv müde ist, gewinnen die, die noch laufen können.
Ich beobachte mit zunehmender Faszination, wie eine ganze Generation in ihren Zwanzigern die Motivation verloren hat, bevor sie überhaupt angefangen hat. Die Generation Z möchte alles: Sinn, Freizeit, Sichtbarkeit, Achtsamkeit, flexible Arbeitszeiten, Remote-Jobs und bitte keinen Stress. Stress ist ungesund, sagen sie. Ich sage: Stress formt Charakter. Diese Generation postet lieber ihre To-Do-Liste auf Instagram, als sie tatsächlich abzuarbeiten. Sie hat Angst vor Überforderung, aber keine Angst vor Bedeutungslosigkeit. Und das ist bezeichnend.
Früher war Arbeit ein Wert. Heute ist sie ein Verdacht. Wer viel arbeitet, gilt als „kapitalistisch geprägt“ oder als „nicht im Einklang mit sich selbst“. Ich bin im Einklang mit meinem Erfolg, danke der Nachfrage. Ich brauche keine Yoga-Matte, um mich lebendig zu fühlen – mir reicht eine funktionierende Firma.
Die Gesellschaft hat ihren Biss verloren. Wir leben in einer Zeit, in der man sich für Leistungsbereitschaft rechtfertigen muss. In der Fleiß als altmodisch gilt und Disziplin als unsexy. Es ist grotesk, wie viele Menschen mehr Energie darauf verwenden, über Chancengleichheit zu diskutieren, als ihre Chancen tatsächlich zu nutzen. Gleichstellung ist ein wichtiges Thema – aber Gleichgültigkeit ist es auch. Und Letztere hat gewonnen. Wer heute etwas erreichen will, muss sich nur anstrengen. Das reicht schon. Weil fast niemand es mehr tut.
Ich habe keine Angst vor Arbeit. Ich finde sie erregend. Produktiv zu sein ist für mich kein Zwang, sondern eine Form von Freiheit. Ich kann gestalten, entscheiden, bewegen.
Während andere über Arbeitszeitverkürzung sprechen, denke ich über Expansion nach.
Während sie „Work-Life-Balance“ googeln, lebe ich Work-Life-Passion.
Wer Erfolg aus eigener Kraft erlebt hat, weiß, wie befriedigend es ist, sich alles selbst aufgebaut zu haben – ohne staatliche Hilfe, ohne Gönner, ohne Mitleidsbonus. Ich glaube nicht an das System, das jedem suggeriert, man müsse nur sein Potenzial „entdecken“. Potenzial ist ein hübsches Wort für Bequemlichkeit. Die Wahrheit ist: Wer nicht bereit ist, zu schuften, wird nie erfahren, wie sich echter Erfolg anfühlt.
Es gibt ein neues Mantra in der modernen Arbeitswelt: Tu, was dich glücklich macht. Ich halte das für einen der größten Irrtümer unserer Zeit.
Glück ist kein Dauerzustand.
Erfolg ist kein Zufall.
Und Zufriedenheit ist nicht das Ziel.
Wer etwas erschaffen will, muss durch Phasen gehen, in denen man alles andere als glücklich ist.
Ich war schon oft überfordert. Müde, gereizt, ausgebrannt. Und genau da lag der Wendepunkt: Ich habe weitergemacht. Während andere in Coachings saßen, um ihre Blockaden zu lösen, habe ich meine schlicht ignoriert. Das nennt man Haltung.
Wir erleben gerade die bequemste, aber gleichzeitig erfolgloseste Ära der Moderne.
Home-Office hat eine ganze Generation entkoppelt – von Struktur, Realität und Ehrgeiz. Der Gedanke, man könne im Pyjama Karriere machen, ist romantisch, aber naiv. Man kann vielleicht Mails beantworten, aber keine Empire gründen. Und dann diese ewige Angst, zu viel zu geben. „Ich möchte mich nicht ausbeuten lassen“, höre ich ständig. Natürlich nicht. Aber viele lassen sich lieber einlullen – von ihrem eigenen Minimalismus.
Die Generation Selfcare hat das System der Selbstrechtfertigung perfektioniert. Sie ruht sich auf psychologischen Begriffen aus wie auf Daunenkissen: „Ich brauche eine Pause, ich habe einen Mental Load, ich will mich entfalten.“ Ich halte dagegen: Erfolg entfaltet sich nur, wenn man arbeitet, während andere pausieren.
Das Prinzip Leistung ist aus der Mode geraten. Wer heute ehrlich sagt, dass er mehr will, gilt als elitär.
Wer sieben Tage arbeitet, als Workaholic.
Wer hohe Ansprüche hat, als arrogant.
Ich nehme all diese Begriffe als Komplimente. Denn in Wahrheit ist es einfacher denn je, sich durchzusetzen – schlicht, weil kaum noch jemand konkurriert. Die Konkurrenz ist müde, abgelenkt, überfordert oder zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Sie plant Auszeiten. Ich plane Zukunft.
Die, die jetzt noch wirklich anpacken, werden in zehn Jahren über diese Zeit lachen. Sie werden zurückblicken und sagen: Das war das Jahrzehnt der Müdigkeit. Und wir waren hellwach.
Menschen träumen vom Erfolg, aber keiner will die Arbeit, die dazu gehört. Es ist, als wolle man den Körper, aber nicht das Training. Den Applaus, aber nicht die Premiere. Den Umsatz, aber nicht die Verantwortung.
Deshalb entsteht automatisch ein Gefälle. Zwischen denen, die liefern – und denen, die liken. Zwischen denen, die denken – und denen, die posten. Zwischen denen, die handeln – und denen, die hoffen. Ich habe keine Angst, zu den Ersteren zu gehören.
Ich finde es sogar sehr reizvoll, in einer Gesellschaft zu arbeiten, die Arbeit scheut. Denn das bedeutet: Der Weg ist frei.
Vielleicht klingt das hart. Aber weich hat noch nie Geschichte geschrieben.
Ich bin nicht hier, um mich einzureihen in die endlose Diskussion über mehr Empathie in der Arbeitswelt. Empathie ist wichtig, aber Effizienz bringt Ergebnisse.
Die Wahrheit ist unbequem: Wer heute wirklich etwas will, kann es schaffen. Mehr denn je. Gerade weil die Mehrheit nicht mehr will.
Und deshalb sage ich: Noch nie war es so einfach, erfolgreich zu sein. Man muss nur das tun, was andere längst verlernt haben – arbeiten.
Marlis. Ich bin die Gründerin von Karins Schwester.
Liebe Marlis,
hätten mehr Menschen in Deutschland Dein Mindset, dann befände sich unser Land nicht in so einem dramatischen Abwärtstrend. Diese Begeisterung zu arbeiten und die maximale Leistungsbereitschaft müsste viel stärker proklamiert werden. Leider scheint das immer seltener en vogue zu sein…..
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