Da kommt‘s… das neue Jahr 2026
2026 liegt vor uns wie ein Jahr, das nichts mehr überdeckt und genau dadurch einen klaren Blick verlangt. Es wird ein herausforderndes Jahr für den Einzelhandel insgesamt, doch für Urlaubsregionen wird es besonders spürbar werden, weil sich hier Entwicklungen bündeln, die lange ignoriert oder bewusst in Kauf genommen wurden. Ich gehe dennoch nicht mit Angst in dieses Jahr, sondern mit einer ruhigen Entschlossenheit, weil Klarheit handlungsfähig macht und Vorbereitung immer stärker ist als Hoffnung allein.
2025 war für mich ein Jahr der inneren Sortierung. Still, aber eindeutig. Es hat gezeigt, welche Menschen, welche Beziehungen und welche Strukturen tragen und welche nur so lange funktionieren, wie man selbst bereit ist, sich anzupassen, zu erklären oder über eigene Grenzen hinwegzugehen. Ich habe erlebt, wie leicht man sich täuschen kann, wenn man Harmonie über Wahrheit stellt und Frieden sucht, obwohl man innerlich längst spürt, dass etwas nicht mehr stimmig ist. Diese Erkenntnisse waren nicht bequem, aber sie waren notwendig, denn sie haben mir etwas zurückgegeben, das im Alltag manchmal verloren geht, das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.
Diese Klarheit prägt meinen Blick auf 2026. Es wird kein Jahr der Experimente. Nicht, weil mir der Mut fehlt, sondern weil Verantwortung gefragt ist. In wirtschaftlich angespannten Zeiten geht es nicht darum, möglichst viel auszuprobieren, sondern darum, das Richtige zu tun. Für mich bedeutet das, mich konsequent auf starke Lieferanten zu stützen, auf Sortimente mit Substanz und auf Partner, die verlässlich bleiben, auch wenn der Markt unruhiger wird. Schöne Dinge haben ihren Platz, aber Schönheit allein trägt kein Unternehmen, wenn sie nicht gerechnet ist, wenn sie keine klare Nachfrage bedient und wenn sie nicht Teil einer durchdachten Gesamtstrategie ist.
Ich rechne, ich plane, ich prüfe, nicht aus Misstrauen, sondern aus Professionalität, so wie ich es im Konzern gelernt habe. Wenn Krisen tiefer werden, entscheidet nicht Bauchladen Denken, sondern Struktur. Dann geht es um Liquidität, um saubere Kalkulationen, um Prozesse, die funktionieren und um die Fähigkeit, den Betrieb stabil zu halten, wenn äußere Umstände schwieriger werden. Dieser Fokus ist kein Verlust an Leidenschaft, sondern die Voraussetzung dafür, dass Leidenschaft bleiben kann.
Die kommenden Jahre werden eine Marktbereinigung bringen, die weder überraschend noch ungerecht ist, sondern die logische Folge vieler Entscheidungen der letzten Jahre. Nicht jedes Konzept ist für Gegenwind gebaut, nicht jede Idee trägt sich dauerhaft, und nicht jede Struktur hält Belastungen stand. Besonders deutlich wird diese Realität in Urlaubsregionen werden.
Viele touristische Orte haben sich über Jahre hinweg auf Quantität verlassen. Auf möglichst viele Menschen, möglichst viel Durchlauf, möglichst viel Bewegung. Busse statt Aufenthaltsqualität, Tagesgäste statt Beziehung, Frequenz statt Bindung. Das erzeugt volle Straßen, volle Parkplätze und das Gefühl von Funktionieren. Wirtschaftlich aber bleibt davon oft wenig übrig. Bewegung wird mit Nachfrage verwechselt. Vorbeigehen mit Kaufbereitschaft. Wer nur kurz bleibt, verweilt nicht, entdeckt nicht, entscheidet sich nicht. Es entsteht keine Tiefe, keine Beziehung, keine echte Wertschöpfung.
Gleichzeitig sind die Strukturen vielerorts auf diese Masse ausgerichtet. Hohe Mieten, hohe Personalkosten, lange Öffnungszeiten, permanente Präsenz. Dieses System trägt sich nur, solange die Menge zuverlässig fließt. Bricht diese Selbstverständlichkeit weg, zeigt sich, wie wenig Puffer vorhanden ist. Quantität federt keine Krisen ab. Sie verstärkt sie. Und genau hier kommt 2026 die Quittung für eine Entwicklung, die lange bequem war und selten hinterfragt wurde.
Urlaubsregionen sind besonders verletzlich, weil ihr wirtschaftliches Fundament auf freiwilligem Konsum beruht. Niemand muss im Urlaub einkaufen. Niemand muss Geld ausgeben, nur weil er da ist. Wenn Unsicherheit zunimmt, wird genau dort verzichtet. Aufenthalte werden kürzer, Entscheidungen bewusster, Ausgaben selektiver. Regionen, die sich auf Durchlauf statt auf Passung verlassen haben, werden diese Veränderung zuerst und am deutlichsten spüren. Das ist keine Überraschung, sondern eine Konsequenz.
Ich betrachte diese Entwicklung ohne Panik und ohne Schuldzuweisungen. Sie zwingt zum Hinschauen, zum Neujustieren, zum Loslassen von Gewohnheiten, die nicht mehr tragen. Genau darin liegt für mich die Aufgabe für 2026. Weniger Ablenkung, weniger Reaktion, mehr Konzentration. Mehr Struktur. Mehr Fokus. Mehr Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Persönlich bedeutet dieses Jahr für mich vor allem innere Freiheit. Die Freiheit, nicht mehr überall Zustimmung zu suchen. Die Freiheit, nicht an Orten Anerkennung zu erwarten, die nie der Maßstab für meine Arbeit waren. Lokale Zustimmung ist oft laut oder kritisch, manchmal wohlwollend, manchmal distanziert, aber sie ist kein verlässlicher Kompass für den eigenen Weg.
Die Zustimmung, die trägt, kommt von ganz woanders. Sie kommt von Frauen, die uns sehen, verstehen und sich verbunden fühlen, auch wenn sie leise bleiben. Diese Unterstützung entsteht aus Resonanz, nicht aus Nähe. Aus Haltung, nicht aus Gewohnheit.
Am Ende gehe ich in dieses Jahr nicht mit dem Anspruch, zu wissen, was passieren wird oder wie sich alles entwickeln muss. Ich weiß nicht, was kommt, welche Wendungen 2026 bereithält oder welche Entscheidungen mir noch begegnen werden. Aber ich weiß, wie ich damit umgehen möchte, ruhig, aufmerksam und ohne vorschnelle Reaktionen.
Ich möchte mir Zeit nehmen, hinzusehen, zu sortieren, nachzujustieren, wenn es nötig ist, und Entscheidungen nicht aus Druck, sondern aus innerer Klarheit zu treffen. Weniger kämpfen, weniger erklären, weniger festhalten an Dingen, die sich nicht mehr richtig anfühlen. Stattdessen mehr Vertrauen in den eigenen Rhythmus, mehr Geduld und mehr Raum für das, was sich zeigen will.
Ich will wieder stärker auf meinen Bauch hören, auf diese leise innere Stimme, die keine Prognosen macht und keine Sicherheiten verspricht, die aber verlässlich ist, wenn man ihr zuhört. Sie sagt nicht, dass alles leicht wird, aber sie erinnert daran, ruhig zu bleiben, wenn es unübersichtlich wird, und bei sich zu bleiben, wenn es laut wird.
2026 muss kein berechenbares Jahr sein, um ein gutes Jahr zu werden. Vielleicht reicht es, ihm mit Offenheit zu begegnen, ohne Abwehr, ohne Angst und ohne den Anspruch, alles kontrollieren zu müssen. Wenn etwas kommt, dann darf es kommen. Und wenn Entscheidungen anstehen, dann dürfen sie in Ruhe entstehen. Aus dieser Haltung wächst keine Überlegenheit, sondern Gelassenheit. Und manchmal ist genau das die größte Stärke.
Hochachtungsvoll an Dich, liebes 2026.
Ich bin da.
Deine Marlis
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